17.04.2016, Presseinformation zur aktuellen Wolfssituation

Wulfen, 14.04.2016

 

In einem Beweidungsprojekt des NABU Köthen in der Oranienbaumer Heide wurden Konik­ Fohlen von Wölfen. angegriffen. Die Tiere wurden mit Beginn der Fohlensaison von Mitarbeitern des NABU-Beweidungsprojektes im Rahmen der täglichen Kontrollgänge gefunden. Aufgrund der Verletzungen und der Spurenlage konnten die beiden in dem Gebiet lebenden Wölfe mit hoher Wahrscheinlichkeit als Verursacher identifiziert werden. Alle potentiell betroffenen Tiere wurden außerhalb des Wolfsgebietes in Sicherheit gebracht.

 

Im Sommer 2015 wurde in der Oranienbaumer Heide ein Fohlen durch einen Wolf verletzt, hat den Angriff jedoch gut überstanden. Es wurde davon ausgegangen, dass die Mutterstute oder andere Herdenmitglieder den angreifenden Wolf in die Flucht schlagen konnten.
Seit Ende vergangenen Jahres konnten wenigstens zwei Wölfe, die schon bekannte Fähe und ein bislang unbekannter Rüde, in der Oranienbaumer Heide beobachtet werden – es wird vermutet, dass diese sich dort nun als Paar ansiedeln.

Die vor Ort eingesetzten Mitarbeiter der Primigenius gGmbH konnten bei ihren täglichen Tier­ und Flächenkontrollen in den vergangenen Monaten mehrmals bei Tag einen oder auch beide Wölfe beobachten. In den einzelnen Tierherden war keine Beunruhigung, auch bei direkter Anwesenheit des Wolfes, festzustellen.

Mit Beginn der Fohlensaison 2016 wurden die Tiere, besonders die Pferde, mit verstärkter Intensität beobachtet. Nachweislich wurden innerhalb kurzer Zeit zwei Fohlen sehr wahrscheinlich vom Wolf gerissen. Ein weiteres Fohlen wurde so schwer verletzt, dass es trotz tierärztlicher Behandlung noch in der Folgenacht verstarb. Zwei weitere Fohlen wiesen leichte Bissverletzungen auf und sind nach der tierärztlichen Behandlung wohlauf. Zwei Tiere sind verschollen, hier kann die Ursache nicht geklärt werden. Es wurden Proben für genetische Analysen genommen. Die Ergebnisse stehen noch aus. Unmittelbar nach diesen Vorfällen hat die Primigenius gGmbH, die noch tragenden Stuten und die Stuten mit bereits geborenen Fohlen aus der Oranienbaumer Heide unter tierärtzlicher Kontrolle abtransportiert. Es konnte nicht mehr
davon ausgegangen werden, dass alle Stuten mit ihrem Herdenverband in der Lage sind, ihre Fohlen effektiv vor dem Wolf zu schützen. Die zwei nur leicht verletzten Fohlen und das diesjährig erstgeborene Fohlen aus der Oranienbaumer Heide, welches von diesen Vorfällen nicht betroffen ist, lassen jedoch vermuten, dass einige Pferde im Herdenverband durchaus in der Lage sind ihre Jungtiere zu verteidigen.


Die Schutzmaßnahme für die betroffenen Pferde aus Oranienbaum besteht darin, diese auf den nicht im Wolfsgebiet gelegenen zweiten Betriebsstandort der Primigenius gGmbH im Wulfener Bruch zu bringen. Hierfür wurden auf den dort vorhandenen Weideflächen innerhalb kürzester Zeit Kapazitäten geschaffen, die Stuten mit ihren Fohlen aufzunehmen. Diese Tiere verbleiben bis zur ihrer Rückkehr in dieOranienbaumer Heide solange im Wulfener Bruch, bis die Fohlen groß genug und so als Beute für den Wolf unattraktiv geworden sind.

Leben mit dem Wolf

Der Wolf wandert seit einigen Jahren wieder in Deutschland ein, Wolfssichtungen nehmen bundesweit zu und die Diskussion um den "großen Grauen" ist in vollem Gange.

 

Auch in der Oranienbaumer Heide ist eine einzelne Fähe (weibliches Tier) angekommen und konnte dort mehrfach direkt gesichtet oder per Fotografie (Fotofalle) aufgenommen werden. Der Aufenthalt der Wölfin wird eingehend untersucht.

 

Diese Wölfin bewegt sich auch ungehindert auf den von unseren Tieren beweideten Flächen, was sich durch regelmäßige Funde von Wolfsfährten und –kot sowie durch Fotofallenbilder innerhalb der Zaunlinie belegen lässt.

Seit dem Auftreten der Wölfin ist zu beobachten, dass die Rinder und Pferde eine erhöhte Wachsamkeit zeigen. Nach der im Land Sachsen-Anhalt momentan geltenden Leitlinie für den Wolf werden Rinder und Pferde wegen ihrer Wachsamkeit und ihres Herdenverhaltens als nicht besonderes gefährdet eingestuft. Bundesweit sind sie von Wolfsübergriffen fast nicht betroffen. Auf Grundlage derzeitiger Erkenntnisse machen wildlebende Tiere, wie zum Beispiel Rehe, das eigentliche Beutespektrum des Wolfes aus. Jedoch sind auch Weidetiere und andere Haustiere bei nicht ausreichendem Schutz durchaus gefährdet.

 

Wir werden die weitere Entwicklung genau beobachten und in der Konsequenz auch, wenn notwendig, unsere Haltungsformen anpassen. Auf unseren großen Flächen in der Oranienbaumer Heide steht für uns als verantwortungsbewusste Tierhalter das Tierwohl im Vordergrund. Als Naturschützer sind uns aber auch artenschutzrechtliche Belange wichtig. Deshalb streben wir unter den aktuellen Rahmenbedingen eine Koexistenz mit dem Wolf an und sagen trotz der auftretenden Problemstellungen "Willkommen Wolf".

 

Eine intensive und kontinuierliche Beobachtung des Verhaltens unserer Tiere und des Wolfes sind dabei Grundvoraussetzungen, weiterhin finden Untersuchungen zum Nahrungswahlverhalten des Wolfes statt. Eine enge Zusammenarbeit mit Wolfsfachleuten aus dem Landesamt für Umweltschutz (LAU) und der Referenzstelle Wolfsschutz soll helfen, das Zusammenleben mit unserem neuen, alten Nachbarn zu erleichtern.

(Stand: Juni 2015)

Wölfin in der Oranienbaumer Heide






Quelle: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt/Y. Krummheuer








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Neues vom Wolf

Im Juli 2015 wurde durch das Monitoring ein zweiter Wolf auf der Weidefläche in der
Oranienbaumer Heide festgestellt.
Es liegen bisher keine Daten zum Alter und Geschlecht des Tieres vor, auch wissen wir nicht, ob das Tier nur ein Durchzügler ist oder sich in der Heide fest angesiedelt hat.
Eine ähnliche Situation gab es bereits im Frühjahr 2014, als zusätzlich zu der längerfristig anwesenden Fähe ein Rüde fotografisch belegt wurde. Dieses Tier war offenbar nur vorübergehend anwesend und wurde seitdem nicht wieder festgestellt.
Die weitere Entwicklung wird von allen beteiligten Personen in der Oranienbaumer Heide mit Spannung verfolgt.

(Stand: September 2015)


Ein im Juni diesen Jahres verletzt angetroffenes, wenige Tage altes Fohlen wies Bissverletzungen auf. Die DNA-Auswertung des von uns vorgenommenen Abstriches durch das Senckenberg-Institut in Gelnhausen, welche uns Mitte Oktober erreichte, ergab nun den Beweis, dass die Verletzung auf einen Wolf zurückzuführen ist.

Der Wolf war jedoch nicht erfolgreich; es ist zu vermuten, dass die Verteidigung durch die Alttiere der Herde dem Fohlen das Leben gerettet hat.

Nach Aussage des Senckenberg-Institutes ist dies der erste genetisch bestätigte Fall einen Risses bzw. Rissversuches von einem Pferd in Deutschland.

Senckenberg hat den betreffenden Rissabstrich noch einmal erneut hinsichtlich der Individualisierung des Wolfes untersucht. Das Ergebnis ist, dass es sich dabei um das dort schon bekannte Tier handelt.

(Stand Oktober 2015)

Sichtungen

30.11.2015, ca. 9.00 Uhr

Gesichtet wurde ein Einzeltier, das vom Mittelweg aus gut zu erkennen war. In seiner Anwesenheit befanden sich drei Kolkraben, die dann auch zusammen mit dem Wolf verschwanden.

Foto: C.Walter - Wolf (aufgenommen am 30.11.2015, Oranienbaumer Heide)
Foto: C.Walter - Wolf (aufgenommen am 30.11.2015, Oranienbaumer Heide)

25.01.2016, ca. 11.00 Uhr

Zu sehen waren zwei Wölfe, die auf Grund der Windrichtung noch keine Witterung aufgenommen hatten. Der Grauere bewegte sich zügig nordwärts und verschwand dann aus dem Blickfeld. Das hellere Tier (mit großer Sicherheit dasselbe Tier, wie auf den Fotos vom 30.11.2015), bewegte sich dagegen ruhig über die offene Weidefläche. Es setzte sich hin, um sich ausgiebig zu kratzen, lief dann weiter und dem anderen Wolf hinterher. Nach kurzer Zeit kam es nocheinmal zurück und wollte scheinbar in die Richtung des Beobachters. Es hielt inne, prüfte die Lage und kehrte dann mit schnellem Sprung wieder in die entgegengesetzte Richtung um. Auch heute wurden die beiden Wölfe wieder von einem Kolkraben begleitet. (C.Walter)